Scandal & Prohibitions

 

Die Entwicklung der Bademode kann man durchaus auch als Spiegel der Emanzipationsgeschichte verstehen. Der lange und steinige Weg beim Kampf der Frauen um ihr Recht auf Selbstbestimmung war dabei von Restriktionen und Skandalen geprägt. Das BikiniARTmuseum wird zahlreiche Verbote, Verhaftungen und Gesetzestexte zu den weltweiten Ereignissen dokumentieren und auch die mutigen weiblichen Protagonistinnen dahinter vorstellen und die beeindruckenden persönlichen Schicksale hinter den Skandalen und erlassenen Gesetzen nacherzählen.

 

 

 

USA – Die Verhaftung von Annette Kellermann in Boston

© George Grantham Bain

 

1907 sorgte die australische Schauspielerin und Wettkampfschwimmerin Annette Kellermann für einen Skandal. Wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses wurde sie an einem Strand in Boston festgenommen. Ihr Vergehen: Sie wollte in einem enganliegenden und ärmelfreien Männer-Badekostüm ins Wasser. Der Fall erregte wochenlang die Öffentlichkeit. Frauen schwammen damals noch in ihren schweren Baumwollkleidern, die ein normales Schwimmen kaum ermöglichten.

 

 

 

 

 

 

Deutschland – Der Zwickelerlass in Preußen

© Das Bunte Blatt (1930)

 

1932 versuchte der Berliner Beamte Franz Bracht, die Freizügigkeit an den Stränden Preußens per Gesetz zu verbieten. Frauen durften nur baden, wenn sie einen Badeanzug trugen, der „Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt, unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist“, heißt es im sogenannten „Zwickelerlass“ des preußischen Innenministeriums. Ein Zwickel ist ein keilförmiger Stoffeinsatz im Schrittbereich, das als eine Art zusätzlicher eingenähter Sichtschutz gedacht war. Der Rückenausschnitt des Badeanzugs durfte außerdem nicht über das untere Ende der Schulterblätter hinausgehen.

 

Australien, Bondi-Beach – Bikini-Festnahmen in den 1940er und 1950er Jahren

 

Jeder kennt den berühmten Bondi-Beach in Australien, zu dem ungefähr 80.000 Leute jedes Wochenende strömen. Während unzählige Frauen sich in der Sonne bräunen, im Meer schwimmen oder gar surfen, sind am Bondi Beach Bikinis jeglicher Art zu sehen. Zunächst mag es lächerlich klingen, aber vor etwa 70 Jahren war dies ein öffentliches Verhalten gegen das Gesetz. Im Jahre 1935 setzte das Kommunalgesetz, Verordnung Nr. 52 genaue Maße für Schwimmkleidung fest, die am Strand getragen werden kann. Badeanzüge von Männern und Frauen musste zum Beispiel die Beine mindestens 3 Zoll lang bedecken, mussten vollständig über die Körpervorderseite von einer Linie auf der Ebene der Achselhöhlen bis zur Taille laufen sowie Schultergurte oder Ähnliches besitzen, um die Schwimmkleidung in Position zu halten. Laut eines Sonntagsberichts im Telegraph veranlasste die Verhaftung einer Frau am Bondi Beach im Jahr 1945 „nahezu einen Aufstand".  Auch im Jahr 1951 wurde Yvonne Freedman für das Tragen eines Bikinis verhaftet, wie auch Hollywood-Filmstar Jean Parker. Gleich nachdem die Strandinspektoren sie wegbeordert hatten, scharten sich die Menschenmengen um sie herum. Schließlich mussten sie von der Rückseite des Lifeguardspavillons herausbegleitet werden, um den Strand verlassen zu können.

 

 

 

© Isabelle Stock, Lisa Otten (BikiniARTmuseum)