Bad Rappenau

Hauptstadt der bademode

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ie traditionsreiche Kurstadt mit Heilbädern ist Geburtsort und langjähriger Standort der zwei, geschichtlich sehr bedeutenden, Bademodenhersteller Benger Ribbana und Felina. Mit der Errichtung des weltweit ersten Museums für Bademode und Badekultur – ebenfalls in Bad Rappenau –

mutiert die baden-württembergische Kur- und Bäderstadt zur Hauptstadt der Bademode. Erstmals verwendete die Begrifflichkeit Sebastian Frei, der Oberbürgermeister von Bad Rappenau, 2019 beim Richtfest des BikiniARTmuseums.

„Seebad fern vom Meer“ – Kurort Bad Rappenau 

Salzvorkommen im 19. Jahrhundert – Das flüssige Gold für Rappenau 

Nach der Entdeckung des Salzvorkommens im Jahr 1822 in einer Talmulde östlich von Rappenau, entstand ein Jahr später in unmittelbarer Nähe eine Saline, welche bis 1972 bestand und die Grundlage des Kurbetriebs bildete. Das Sophien-Bad wurde 1834 als erstes Solebad in Rappenau im damaligen Großherzogtum Baden eröffnet. Als sich gegen Ende des 19. Jh. der badische Staat aus dem Rappenauer Kur- und Bäderbetrieb zurückziehen wollte, übernahmen die Bürger und ihre Gemeinde gemeinsam die Anstrengungen. Mit der Errichtung des Sophie-Luisen-Bades im Jahr 1903 stieg die Gemeinde in den Kurbetrieb ein und rettete damit zu Beginn des 20. Jh. den Kur- und Bäderbetrieb. 

Salzvorkommen im 19. Jahrhundert – Das flüssige Gold für Rappenau 

Der Kur- und Verkehrsverein – der heutige Heimat- und Museumsverein – wurde 1903 gegründet. Gemeinsam errichteten die Bürger Anlagen, Spazierwege und Ruheplätze. Der Verein übernahm zugleich soziale Aufgaben in der Betreuung der Kurgäste und schuf ein kulturelles Angebot. Im Jahr 1930 erhielt Rappenau durch den Einsatz der Bürger die offizielle Anerkennung zum „Bad“.Schon wenige Jahre später warb der Kurort nach der Eröffnung des Sole- und Wellenfreibades als „Seebad fern vom Meer“. Bis heute ist diese Einrichtung bei Einheimischen und Gästen überaus beliebt, wird sie doch regelmäßig erweitert und erneuert, u. a. mit der großzügigen Saunalandschaft „RappSoDie“, die 2007 eingeweiht wurde.

Benger Ribana – Das Herzblut Bad Rappenaus  

Die Anfänge – Von Degerloch nach New York

Wilhelm Friedrich Benger kaufte 1844 ein Weberhäuschen in Degerloch in der Nähe von Stuttgart und arbeitete von 1852 bis 1856 gemeinsam mit Honore Frédéric Fouquet und Carl Terrot an fünf Rundwirkstühlen. Infolge der Teilnahme an der Pariser Weltausstellung im Jahr 1855 und des wachsenden Erfolgs der Firma, verlegte das Unternehmen 1864 seinen Standort nach Stuttgart. Gemeinsam mit Professor Gustav Jaeger produzierten die Brüder Wilhelm und Gottlieb Benger, welche das Unternehmen nach dem Tod ihres Vaters übernommen hatten, ab 1879 Reformwäsche aus Wolle. Die Unterwäsche wurde zum Sortimentsschlager und das Unternehmen gewann zahlreiche Auszeichnungen und Preise für seine revolutionären Waren. Ende des 19. Jh. folgten Außenstellen in der Nähe von Bregenz, Berlin, Wien und New York.

Winnetou und Benger Ribana? – Deutscher Pionier der industriellen Bademodenproduktion

Im Jahr 1911 begann das Unternehmen gerippte Ware mithilfe einer Maschine mit Cooper’schem Spring-Needle-System zu produzieren. Für dieses neue Segment wurde der Markenname „Ribana“ gewählt. Die Inspiration hierfür war die junge Squaw „Ribanna“ aus dem Roman „Winnetou“ (1893) von Karl May. Der Name „Benger Ribana“ war geboren. Bereits 1928 stellte Benger Ribana als einer der ersten deutschen Hersteller Bademode industriell her. Inspiriert vom amerikanischen Markt wurden enganliegende Wollstrickbadeanzüge gefertigt.

Kriegsproduktion und Wirtschaftswunder – Bunte Bademode weckt die Lust am Leben

Während beider Weltkriege wurde auch Benger Ribana dazu verpflichtet, die Kriegsproduktion zu unterstützen. Die Herstellung von Armeekleidung, Lastenfallschirmen und Bremsschirmen wurde zum neuen Tagesgeschäft in der gesamten Textilwirtschaft. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kam die Produktion dann vollends zum Erliegen. Nach der Währungsreform 1948 wurden die kriegszerstörten Fabrikationsanlagen wiederaufgebaut und der Maschinenpark modernisiert. Der Zweite Weltkrieg wirkte wie ein Katalysator auf die Bademodenproduktion. Sein Ende weckte die neue Lust am Leben, die sich vor allem in kräftigen Farben ausdrückte. Badekleidung wurde durch Benger Ribana wieder zum Modeartikel.

Schock in der Kurstadt – Das BikiniARTmuseum erinnert an Benger Ribana

Im Jahr 1963 wurde das Unternehmen vollständig nach Bad Rappenau verlegt. Für viele Jahre entstanden in der Kurstadt qualitativ hochwertige Markenartikel auf den Gebieten Bade- und Strandmode, Tag- und Nachtwäsche sowie Sport und Gesundheitswäsche. 20 Jahre nach dem Umzug dann Fassungslosigkeit: 1983 beantragt Benger Ribana das Konkursverfahren. Dies hatte zur Folge, dass viele Frauen ihre Arbeit verloren. Vor allem die Näherinnen des riesigen Arbeitgebers, der zu Glanzzeiten 600 Mitarbeiter/innen beschäftigte, waren davon stark betroffen.An die Benger-Ribana-Blütezeit wird nun im BikiniARTmuseum erinnert. Ein großer Dank gilt dem Stadtarchiv Bad Rappenau, insbesondere Frau Regina Thies, sowie dem Bad Rappenauer Ehepaar Rolf und Anita Schulze-Seeger. Durch ihre Unterstützung konnten über 50 Bademoden sowie zahlreiche historische Dokumente, Dias und Firmenchroniken von Benger Ribana für das Museum als Leihgabe gewonnen werden. 

Felina – Eine der ältesten Miederwarenfabriken Deutschlands 

Die Anfänge in der Hauptstadt der Bademode - Bad Rappenau

1885 begann Eugen Herbst in Bad Rappenau mit der Produktion von Miederwaren und Korsetten. 10 Frauen fanden hier Arbeit, bevor das Unternehmen 1889 nach Mannheim verlegt wurde. Dort zog die Miederwarenfabrik Herbst schon zur Jahrhundertwende in ein erstes Betriebsgebäude und wurde 1917 in „Felina“ umbenannt. In den 1930er Jahren expandierte Felina mit Korsetts und Büstenhaltern und gründete in Mailand, Paris, Zürich und London Fabrikationsniederlassungen. Wenige Jahre später war Felina die zweitgrößte Korsettfabrik Deutschlands.

Machtergreifung der Nationalsozialisten – Arisierung und Entrechtung der Gründerfamilie Herbst

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 bedeutete für die jüdische Gründerfamilie Herbst massive Einschränkungen, wie etwa versagte Ausfuhrgenehmigungen und das Verbot, an Messen teilzunehmen. Obwohl in dieser Zeit ein Treuhänder für die Firma eingesetzt wurde, leitete Eugen Herbst noch bis 1936 die Geschäfte, bevor die Familie unter dem politischen Druck ins Exil flüchtete.  Der Fabrikant Richard Greiling erwarb Felina schließlich deutlich unter Marktwert. Nach der Arisierung hieß das Unternehmen „Korsettfabrik FELINA Mannheim“ und produzierte neben Miederwaren auch die sogenannten kriegswichtigen Artikel. Im Sommer 1944 wurden große Teile der Fabrik von einer Luftmine zerstört. Der größte Teil der Maschinen war zu dieser Zeit bereits ausgelagert.  

Neuaufbau und Internationalisierung – Die Wiedergeburt eines kriegsgebeutelten Unternehmens 

Nach Kriegsende begann der Wiederaufbau. Mit der Eröffnung einer weiteren Niederlassung in Kaiserslautern 1955 war Felina das zweitgrößte Miederunternehmen in Deutschland und 1958 auf der Brüsseler Weltausstellung vertreten. Die Produkte wurden Ende der 1950er Jahre bereits in über 50 Ländern vertrieben. Ab 1969 produzierte Felina Bademode, die sich seither durch einen hohen Tragekomfort, figurformende Stoffe und elegante Designs auszeichnet. Diese Einführung gelang vor allem durch innovative Entwicklungen, wie etwa die Verwendung der elastischen Lycra-Faser als Herstellungsmittel. So war es dem Unternehmen möglich, seinen Kunden weit über 250 Modelle zur Auswahl zu bieten. Dieser expansive und kundenorientierte Kurs wurde auch in den folgenden Jahrzehnten weitergeführt. 

Felina in der Gegenwart: Hochwertigkeit, Innovation und die European Lingerie Group 

Von einer kleinen Korsettmanufaktur hat sich Felina in über 130 Jahren zu einem global agierenden Dessous- und Bademodenunternehmen entwickelt. In ganz Europa tätig, kreiert Felina im Designzentrum in Mannheim bis heute Kollektionen für Frauen aus aller Welt. Seit 2017 gehört das Unternehmen mit seinen hochwertigen Designs und Produkten zur European Lingerie Group. Gemeinsam werden die Stärken ausgebaut, innovative Highlights entwickelt und die Erfolgsgeschichte von Felina weitergeführt.

Besucher des BikiniARTmuseum können sich auf etwa zehn Bademodenstücke aus den Anfängen der Felina-Bademodenproduktion freuen.

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